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"Hexenkraut und Zaubertrank": Kräuterwanderung lockte einige Interessierte an

Passend zur bevorstehenden Walpurgisnacht hatte die Heidecker Kräuterpädagogin Ines Beuthel zu einer „zauberhaften Reise in alte Zeiten“ eingeladen, die sie unter das Motto „Hexenkraut und Zaubertrank“ gestellt hatte.

Fast 20 Neugierige und drei Hunde machten sich auf den Weg hinauf zum Offenbrunn. Die Walpurgisnacht ist bekanntlich die Nacht der Hexen. Woran erkennt man aber eine Hexe? Ganz einfach: Man legt einen Zweig der Gundermann-Rebe auf den Kopf. Das macht Hexen sichtbar. Zum Glück reagierte niemand in der Gruppe positiv. Der Name dieser Pflanze, der heilende Kraft zugeschrieben wird, so erfuhr man, stammt von der Göttin Gunda ab.

Die Nacht des fünften Vollmonds, so erläuterte die Kräuterpädagogin, stand bevor. Das war für die Kelten der Anlass gewesen, das Fest Beltane als Beginn des Sommers zu feiern. Überhaupt sind viele unserer Bräuche und Namen keltischen Ursprungs. Der Monat Mai wurde als Neubeginn allen Lebens gefeiert, als Fest der Lebensfreude. Die Christianisierung konnte Bräuche wie etwa das Kräutersammeln nicht verbieten. Das Volk hatte die wohltätige Wirkung vieler Kräuter erkannt und wollte logischerweise nicht davon ablassen. Aber kräuterkundige Frauen wurden oftmals als Hexen verfolgt. Manche keltisch-heidnischen Bräuche hat das Christentum übernommen. So wurde das Fest Beltane der heiligen Walburga gewidmet. Damit wurde eine Frau zur Schutzpatronin.

Die griechische Göttin Maia ist nicht nur Namensgeberin für den Monat Mai und das Maiglöckchen gewesen, sondern auch für die Gottesmutter Maria, deren Tränen unter dem Kreuz die Blüten des Maiglöckchens versinnbildlichen sollen. Fachkundig und zuweilen mit einer Prise Humor führte Ines Beuthel durch die Flur. Genauso giftig wie das Maiglöckchen sind manche Nachtschattengewächse. Sie können Rauschzustände erzeugen und ein Flugerlebnis vorgaukeln, das mit einer letzten Reise enden kann. Das Vergissmeinnicht wurde als Liebes-Orakelpflanze angesehen, mit deren Hilfe man sich der Liebe des oder der Geliebten versichern konnte. Gerade Schlehe und Weißdorn waren in der sagenhaften Beltane-Nacht von Bedeutung. Denn da standen durch ihre Zauberkraft die Tore zur Anderswelt offen, sodass man hin- und herpendeln konnte. Allerdings raubte diese Nacht auch dem Bärlauch seine Kraft.

Natürlich leitet sich der Name Walpurgisnacht von der heiligen Walburga ab, die an einem 1. Mai heiliggesprochen wurde. Im Jahre 710 war sie im südenglischen Wessex zur Welt gekommen. Mit 25 Jahren wurde sie von ihrem Onkel Bonifatius als Missionarin nach Deutschland geholt. Hier waren bereits ihre Brüder Wunibald und Willibald missionarisch tätig. Walburga lebte im Kloster Heidenheim. Sie soll Wunder gewirkt haben und sie beschäftigte sich mit der Heilkunde. 779 starb sie und wurde später heiliggesprochen. Ihre Gebeine wurden nach Eichstätt überführt und in der Walburgiskirche bestattet. Noch heute wird das Walburgisöl verehrt, das sich auf der Grabplatte bildet.
Einen „Zaubertrank“ hatte Ines Beuthel versprochen. Den hatte sie aus mehreren Kräutern zusammengebraut und schenkte ihn jetzt aus. Dazu gab es Bärlauchpesto und andere Kräuterdelikatessen. Erwartungsvoll sahen die Teilnehmer der Walpurgisnacht entgegen.