Café Grenzenlos

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In Heideck wurde am Samstag ein neues Café eröffnet. Aber allein schon der Name „Café Grenzenlos“ lässt darauf schließen, dass hier etwas Besonderes entstanden ist. Der Helferkreis Heideck und der Malteser Hilfsdienst kümmern sich seit geraumer Zeit gemeinsam um Flüchtlinge, mit dem Ziel, Einheimischen und Migranten Berührungsängste zu nehmen und Kontaktangebote zu schaffen. Dazu soll auch dieses Café als „Treffpunkt für alte und neue Nachbarn“ seinen Beitrag leisten. In mehreren Sprachen ist dieser Hinweis am Malteserhaus in der Liebenstädter Straße 1a zu lesen. Piktogramme informieren zusätzlich über das Wichtigste.

Bald herrscht im kleinen Saal des Malteserhauses ein afghanisch-iranisch-deutsches multikulturelles Stimmengewirr. Die rund 30 Besucher haben Kaffee, Tee und Kuchen mitgebracht und allmählich kommt man miteinander ins Gespräch, auch wenn es mit der sprachlichen Verständigung noch etwas hapert. Aber das Erlernen der deutschen Sprache ist ja auch ein Grundprinzip der Integrationsarbeit. Dafür setzt sich seit gut zwei Jahren die Liebenstädterin Finni Ulbricht ein, die als ehrenamtliche Koordinatorin für Deutschunterricht tätig ist. Sie mache das gerne, betont sie, auch wenn diese Arbeit manchmal anstrengend sei. Ihre zumeist aus Äthiopien und Afghanistan kommenden Schüler würden den Unterricht sehr ernst nehmen. „Da kommt viel an Dankbarkeit zurück“, erzählt sie. Im Heidecker Rathaus stehe ihnen ein komplett ausgestatteter Raum zur Verfügung. Dort unterrichten auch Renate Hertlein und Jakob Buckenlei in ehrenamtlicher Weise. Allgemein wird die besondere Einstellung der Flüchtlinge in Sachen Pünktlichkeit beklagt. Das sei aber nicht böse gemeint, denn in Äthiopien beispielsweise gelte es als unhöflich, zur rechten Zeit oder sogar schon vorher zu einem Termin zu kommen. Auch sei zehn Uhr vormittags für manche zu früh gewesen. Seitdem man den Unterricht auf den Nachmittag verlegt hat, sei es besser geworden. Caro Zottmann aus Liebenstadt ist vom Landratsamt als Koordinatorin für Heideck bestellt worden. Die Heideckerin Gerlinde Grün-Harrer betreut neben ihrer beruflichen Tätigkeit in aufopferungsvoller ehrenamtlicher Weise Familien und Alleinstehende schon seit über vier Jahren. Sie würde sich freuen, vor allem Fahrräder als Spende zu erhalten (Telefon: 09177/1336).

Christian Hardt ist Ehrenamtskoordinator für Integrationsdienste bei den Maltesern. Sein Ziel ist es, die Flüchtlinge nach der ersten Welle langfristig zu integrieren. Dazu werden den Helferinnen und Helfern Schulungen und Vorträge angeboten. Man versucht, Überforderungen zu vermeiden, den Bedarf festzustellen und gegebenenfalls Supervision anzubieten. Versicherung und Fahrtkosten würden die Malteser übernehmen. Hardt plant schon weiter. Das „Café Grenzenlos“ soll regelmäßig einmal im Monat seine Pforten öffnen, als nächstes am 22. April und am 13. Mai, jeweils von 16 bis 18 Uhr. Dazu sind ausdrücklich alle Bürgerinnen und Bürger, sowie alle Menschen mit Migrationshintergrund eingeladen. Hinter dem Malteserhaus soll ein interkultureller Garten entstehen, in dem gemeinsam angebaut und gegrillt werden kann. Auch an eine Fahrradwerkstatt in der Garage ist gedacht. Wichtig ist ihm das gemeinsame Weitermachen. „Wir wollen die Leute fragen, was sie wollen“, betont er.
Sabrin ist vor eineinhalb Jahren alleine aus Äthiopien gekommen. Alles sei gut, nur die Sprache und die Schrift bereiten ihr Probleme. Gerne würde sie arbeiten, vorzugsweise als Friseurin.

Auch Vahid, Asylbewerber aus dem Iran, würde gerne arbeiten: „Ich würde alle Arbeiten machen“, sagt der gelernte Architekt. Einmal habe er schon unentgeltlich in einem Altersheim geholfen. Doch als nicht anerkannter Asylant musste er wieder aufhören. Sein Gesicht wird traurig, wenn er nach den Aussichten für ein Bleiberecht befragt wird. „Die Leute hier sind so nett und hilfsbereit“, erzählt er mit erstaunlich guten Deutschkenntnissen, obwohl er erst seit sechs Monaten einen Integrationskurs besuche. Seine Heimatstadt Schiras hat eineinhalb Millionen Einwohner. Den dort angebauten Wein hätte er trinken dürfen, denn er sei Christ.
Belkize hilft freundlich und fleißig in der Küche mit. Wo sie herkomme? Sie lächelt und antwortet: „Ich bin in Erlangen geboren, aber meine Eltern kommen aus dem Kosovo.“

Zwei äthiopische Familien mit jeweils einem sieben Monate alten Kind sitzen an einem der Tische. Hassan und Muschida haben ihrer kleinen Amira putzige Zöpfchen ins Haar geflochten. Der Vater hat zusammen mit seiner Frau auf einer Kaffeeplantage gearbeitet. Mohammed geht noch zur Schule. Seine Frau Badrya hat den kleinen Ramadan auf dem Arm.

Cordula Klenk, Referentin für die Flüchtlingshilfe im Bistum Eichstätt, ist bei den Maltesern angestellt. Sie ist begeistert, dass „gleich am ersten Tag Leben ins Haus zieht“. Sie lobt die Tätigkeit des Helferkreises und ist froh, dass mit dem Malteserhaus ein geeigneter Raum zur Verfügung steht.
Dringend werden weitere ehrenamtliche Helferinnen und Helfer gesucht. Auch nur stundenweise Hilfe ist willkommen. Weitere Informationen gibt es bei Christian Hardt unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder unter 0151-11171231.