1. Hopfen-Niederfallfest erfolgreich

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Rudletzholz Josef SchmidpeterDereinst waren die Stadt Heideck und ihre jetzigen Ortsteile von Hopfengärten umgeben. Ein einziger ist noch verblieben, nämlich der von Familie Schmidpeter in Rudletzholz. Das war der Anlass für den Arbeitskreis Tourismus innerhalb des „Städtebaulichen Entwicklungskonzepts“ (SEK), auf dem „Sonnenhof“ eine alte Tradition wieder aufleben zu lassen. Wenn nämlich die letzte Rebe, „die Alte“, draußen im Hopfengarten heruntergeholt worden war, wenn die Plackerei des Hopfenzupfens zu Ende ging, dann wurde das Hopfen-Niederfallfest gefeiert.Rudletzholz Hopfenblooder

Schon am frühen Nachmittag bewirten die Landfrauen auf dem Sonnenhof der Familie Schmidpeter die zahlreichen Gäste mit Kaffee und Kuchen. Bratwürste und Steaks gibt es an einem anderen Stand. Dass Bier ausgeschenkt wird, versteht sich von selbst. Otto Schmidpeter unterhält mit schmissigen Weisen auf dem Akkordeon. Trotz des Dauerregens hat eine erfreuliche Zahl von Besuchern den Weg nach Rudletzholz gefunden. Bürgermeister Ralf Beyer, sowie Monika Kauderer und Roswitha Köstler vom Arbeitskreis Tourismus heißen sie willkommen. Dann ist Start für die Führungen im Hof. Der Gang zum nahen Hopfengarten fiel leider dem Regen zum Opfer. Würziger Hopfenduft begleitet die Informationen von Josef Schmidpeter Senior. Soeben ist sein Sohn gleichen Namens mit dem Schlepper vorgefahren und hat eine Fuhre Hopfenreben abgeladen. Rund 45 000 wachsen im Schmidpeterschen Hopfengarten. Ein Arbeiter hängt die Reben in die riesige Pflückmaschine ein. Der Rest wird mehr oder weniger automatisch erledigt. Rund 200 Reben schafft die Maschine pro Stunde. In früheren Zeiten mussten dafür 70 bis 80 „Hopfenblooder“ diese Arbeit verrichten. Bei Wind und Wetter saßen sie draußen im Hopfengarten, um die Dolden in den „Metzen“, einen Korb mit rund 60 Litern Fassungsvermögen, zu pflücken. „Hopfenharz macht Hände schwarz“ hieß es damals im Hinblick auf die aufgerauten und schwarz gewordenen Hände. Beim Niederfallfest konnte man dann die Mühen vergessen.

Die maschinell gepflückten Dolden wandern nun in die Darre, danach werden sie auf dem Trockenboden ausgebreitet. „Die Prüfung mit der Hand“, so erläutert Josef Schmidpeter, „ist immer noch die beste Methode, um den Trocknungsgrad festzustellen.“ Eine Presse verdichtet den Hopfen zu Ballen mit rund 60 Kilogramm Gewicht. Andreas Meier erinnert sich, wie er als „Hopfentreter“ diese Arbeit in großen Säcken verrichtet hat. Dann geht es ab in die Kühlung, bevor der Hopfen verkauft wird. 500 bis 600 Euro gibt es für den „Vertragshopfen“ pro Doppelzentner. Im freien Verkauf, kann man für den „Freihopfen“ höhere Beträge erzielen. Allerdings war heuer kein besonders gutes Hopfenjahr. Von Mai bis zur Ernte müssen die Hopfenpflanzen gepflegt werden. „Der Hopfen will jeden Tag seinen Herrn sehen“, heißt ein alter Spruch, denn „Der Hopf is a Tropf“. Mehrmals pro Jahr muss gegen Schädlinge gespritzt werden. So alle 15 bis 20 Jahre wird der Hopfengarten neu angelegt. Karl Wechsler, bis 2001 Hopfenbauer, erinnert sich, dass es einmal 21 Hopfenbauern in Heideck gegeben hat. Im sogenannten Dritten Reich war der Hopfenanbau vorübergehend verboten, denn die Äcker mussten für Getreide und Kartoffeln genutzt werden. 1960 stand dann die erste Hopfenpflückmaschine in der Schlossberger Straße. Am 29. August 2004 fiel schließlich die letzte Hopfenrebe im Heidecker Stadtgebiet. Nur der Hopfengarten im Ortsteil Rudletzholz ist übrig geblieben.

Kreisheimatpflegerin Eva Schultheiß und Ruppert Zeiner haben zwei Schautafeln zusammengestellt, auf denen historische Fotografien zur Hopfenernte und die Heidecker Bierkeller zu sehen sind. Teilweise entstammen die Aufnahmen dem Archiv der Heimatkundlichen Sammlung. Ende des 18. Jahrhunderts, so führt Zeiner aus, gab es in Heideck acht Brauereien und ebenso viele Wirtschaften und Bierkeller. Mangels technischer Möglichkeiten wurde das Bier in Felsenkellern mit Eis aus dem Wäschweiher frisch gehalten. Barthskeller, Winklerskeller, Abeleskeller, Wurmskeller, Hahnenwirtskeller, Postkeller, Höfener Keller und Mändelskeller sind ihre Namen. Gerade auch ihre heutige Nutzung als Winterquartiere für die Fledermäuse ist für Rupert Zeiner als Kreisvorsitzenden des Landesbundes für Vogelschutz interessant. In einer Videoprojektion zeigt Werner Kräußl Filme zur Hopfenernte.
Im kleinen Festzelt, das die Besucher kaum fassen kann, erläutert Braumeister Helmut Sauerhammer die Bedeutung des Hopfens, dem Humulus lupulus, für das Bier. Erstmals habe es im 15. Jahrhundert einen Hopfenmarkt in Nürnberg gegeben. Spalt kam 1538 dazu. Vor allem die Bitterstoffe und die Gerbstoffe des Hopfens sind für den Bierbrauer interessant, da sie zusammen mit Malz und Hefe die Geschmacksgeber sind. Früher musste unter anderem das Bilsenkraut dafür herhalten, das allerdings zu Halluzinationen und Vergiftungen führen konnte. Das im Jahre 1516 für das Herzogtum Bayern erlassene Reinheitsgebot sei daher gewissermaßen das erste Drogengesetz gewesen. Bier, so Sauerhammer, sei ohne Hopfen nicht vorstellbar. Deshalb: „Prost auf den Hopfen!“