Wir singt, betet doppelt

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Bild Beitrag LutherliederDas dem Kirchenvater Augustinus zugeschriebene Zitat „Qui cantat bis orat – Wer singt, betet doppelt“, hatte Pfarrerin Krauß an den Anfang des Abendgottesdienstes im evangelischen Gemeindehaus in Heideck gestellt. Das hatten sich auch Renate und Claus Raumberger aus Schloßberg gedacht, als sie zusammen mit dem Claus-Raumberger-Ensemble mit Lutherliedern, die zumeist im evangelischen Gesangbuch zu finden sind, zur musikalischen Gestaltung beitrugen. Bereits im Mai hatte dieses Ensemble zusammen mit der Sopranistin Juliane Ossadnik in der katholischen Schloßberger Heilig-Geist-Kirche den Gottesdienst mit Marienliedern gestaltet. Gelebte Ökumene also.

Als Präludium erklang „Ein neues Lied wir heben an“. Claus Raumberger hatte dazu den Satz geschrieben. Das 1524 von Luther geschaffene Lied beschreibt in 12 Strophen die Hinrichtung der ersten protestantischen Märtyrer in Brüssel. Pfarrerin Beate Krauß trug mit erläuternden Texten zum Verständnis der insgesamt neun Lutherlieder bei. Klangstark interpretierten die Musiker die jeweiligen Kompositionen. „Ein feste Burg ist unser Gott“ leitete zum Eingangsgebet über. Das Lied „Nun bitten wir den Heiligen Geist“ war von Luther als Gebet und Lobgesang gedacht. „Die beste Zeit im Jahr ist mein“ ist ein geistliches Lied zum Lob der Musik als Gottesgabe. Die Schönheit der Musik, besonders des Singens, wird darin gepriesen. Wie Pfarrerin Krauß ausführte, wollte Luther eine aktiv singende Gemeinde, die sich nicht auf das Anhören der Choräle von Mönchen beschränken sollte. Deshalb wurden bald Gesangbücher mit deutschem Text gedruckt. Ständig von Ängsten und Gewissenbissen geplagt, habe Luther seine Befreiung in der Schrift gefunden und in seinen Liedern eine autobiographische Anwendung seines Glaubens dokumentiert. Das Lied „Nun freut euch lieben Christen g´mein“ zeugt davon. Katechismuslieder, wie etwa „Dies sind die heiligen zehn Gebot“ wurden vermutlich auch in den von Luther eingeführten Schulen gesungen. „Reformation“, so erläuterte Pfarrerin Krauß, bedeute bei Luther nicht, alles zu verwerfen, wie es die Bilderstürmer getan hatten. Vielmehr sollte das Alte neu formiert, also reformiert werden. Sie fügte ein Lutherzitat an: „Die Schrift ist ein Kräutlein. Je mehr man es reibt, desto mehr duftet es.“ Mit dem Segen und dem Lied „Verleih uns Frieden“ ging der Gottesdienst zu Ende.