Gedenkfeier zum 9. November

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Bild Beitrag Gedenkfeier 9. NovemberWie schon im Vorjahr gestaltete das Claus Raumberger Ensemble die Gedenkfeier zum 9. November im evangelischen Gemeindehaus in Heideck musikalisch aus. Zunächst aber stimmte das Ensemble mit Klezmermusik auf den Abend ein. Der Begriff Klezmer steht im modernen Hebräisch für den Ausdruck „Musikanten“. Es handelt sich um weltliche jüdische Musik, die sich an religiösen Traditionen orientiert und vor allem bei Festen gespielt wird. In ihren Melodielinien erinnert die Klezmermusik an die menschliche Stimme. Dabei findet ein häufiger Wechsel zwischen Dur und Moll statt.

Claus Raumberger (Klarinette, Tenorsaxophon) sprach zwischendurch erklärende Worte zu den einzelnen Musiktiteln, die an viel Lachen, ein bisschen Weinen und orientalische Klänge erinnerten. Ehefrau Renate Raumberger (Kontrabass), Kristian Dittmer (Klarinette), Manfred Schmidkunz (E-Piano) und Udo Reichert (Schlagzeug) gehören zum Ensemble, das mit harmonischem, virtuosem Spiel überzeugte. „A freylich nahkt in garden eden“, also eine fröhliche Nacht im Paradies, bildete den temperamentvollen Auftakt. „Am Tisch des Rabbis“ ging es ruhiger zu. Vom „Heyser Bulgar“ sind keine Noten überliefert. Kein Problem für Claus Raumberger, der eine alte Schallplattenaufnahme in Noten gesetzt hat und dazu auf seiner Klarinette brillierte. Aber auch neuere Titel hatte das Ensemble in seinem Programm, etwa „7:40“, denn um diese Zeit fuhr der Zug von Jaffa nach Jerusalem ab.

Mit der klagenden Weise „Ghetto“ stimmte Claus Raumberger in einer Solodarbietung auf den eigentlichen Gedenktag ein. Der 9. November ist für die deutsche Geschichte mit vielen bedeutsamen Ereignissen verbunden. Beispielsweise wurde 1918 in Berlin die deutsche Republik ausgerufen. 1936 entfernten die Nationalsozialisten das Denkmal des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy vor dem Leipziger Gewandhaus. Er entstammte einer jüdischen Familie. 1938 begann mit der sogenannten „Reichskristallnacht“ die systematische Verfolgung und Ermordung von sechs Millionen Juden. 1989 fiel die Berliner Mauer. Die verharmlosend als Reichskristallnacht bezeichnete Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 war das Signal zum größten Völkermord der Menschheit. Die Gedenkfeiern an diesem Tag sollen an diese Gräueltaten erinnern.

Neben den Musikern waren die acht Konfirmandinnen und Konfirmanden die Hauptakteure bei diesem Gedenken im evangelischen Gemeindehaus. Sie lasen ergreifende Texte aus der Zeit der Judenverfolgung in Deutschland vor. Diese stammten zum Teil aus den Sammlungen der Yad Vashem Gedächtnisstätte in Jerusalem. Dazu spielte das Claus Raumberger Ensemble stimmige Klezmermusik.

Mit der Machtübernahme am 30. Januar 1933 hatte die Verfolgung der Juden begonnen, die schließlich im Holocaust ihr schreckliches Ende fand. Vor allem die aufgeschriebenen Berichte von Kindern und Jugendlichen berührten die Anwesenden, die aus beiderlei Konfessionen, ganz im ökumenischen Geist, gekommen waren. Es war damals mit Pöbeleien in der Schule losgegangen. Unbeschreiblich war die Angst, wenn die Nazis gewaltsam ins Haus eindrangen und den Vater mitnahmen. Oft lebte man in schrecklicher Ungewissheit über den Verbleib der Verschleppten. Viele endeten in den Konzentrationslagern. Einige der Schicksale wurden von den Konfirmanden geschildert. Für jedes wurde am Altar eine Kerze angezündet.

Vor dem Segen erinnerte Pfarrerin Beate Krauß daran, dass es zu jener Zeit auch Hilfen für die Verfolgten gegeben habe. „Aber“, so fuhr sie fort, „ihr Vermächtnis ist es, gegen Ungerechtigkeit in der heutigen Zeit aufzubegehren.“ Stellvertretender Bürgermeister Dieter Knedlik dankte den Mitwirkenden für den ergreifenden Abend, für die nachdenklich stimmenden Geschichten. Erschreckend sei es gewesen, dass diese Taten nicht im Affekt, sondern wohl geplant geschehen seien. Bevor das Ensemble mit einem versöhnlichen „Baj mir bistu schoen“ den Abend ausklingen ließ, zeigte sich Renate Raumberger erfreut und froh darüber, dass „es junge Menschen gibt, die sich mit einem so ernsten Thema auseinandersetzen.“