Musikstadt Heideck

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Bild Beitrag ErzaehlcafeIm Erzählcafe im November ging es wieder einmal um Erinnerungen der Besucher an die große Zeit der Heidecker Gesangsvereine, Chorleiter sowie herausragender Sängerinnen und Sänger und Musikgruppen.

Richard Böhm eröffnete die Erzählungen mit dem Hinweis, wie er 1968 zur Musikszene von Heideck kam. Er habe im Gottesdienst auf der Empore der Stadtpfarrkirche mitgesungen. Der damalige Leiter des Kirchenchores, Georg Stengl, habe ihn angesprochen und gesagt „Du hast eine feine Stimme. Du kommst in den Kirchenchor!“ Ein Jahr später sei er eingetreten und habe bei der Passion den Jesus als Bass gesungen. Man erinnerte sich auch an frühere Leiter des Kirchenchores. So sei Georg Hueber (Huebermetzger) ein grandioser Chorleiter gewesen. Ihm folgte Georg Stengl nach, der bis 1991 den Kirchenchor leitete. Derzeit ist Franz Stengl Chef des Kirchenchors, der seit vielen Jahren für sehr anspruchsvolle Chor- und Orchestermusik steht. Man erinnerte sich, dass der Kirchenchor seit 2004 jeweils am zweiten Adventssonntag traditionell zu seinem Adventskonzert eingeladen hat. Mit dem Instrumentalkreis Büchenbach-Gebersdorf sowie weiteren Sängern und Instrumentalisten habe der Heidecker Kirchenchor für hervorragende weihnachtliche Musik in der bis zum letzten Platz gefüllten Heidecker Stadtpfarrkirche gesorgt. Es wurde angemerkt, dass der Kirchenchor sein Adventskonzert traditionell mit dem mächtigen „Halleluja" aus dem Oratorium „Der Messias" von Georg Friedrich Händel beendet hat. Als herausragende Sängerinnen und Sänger des Kirchenchores wurden Anneliese Wieland, Fanny Wild, Luise und Fanny Hueber sowie Alois Eckert, Rudolf Haller und Karl Wechsler genannt.

Von 2001 bis 2003 gab es in der Stadtpfarrkirche die Heidecker Adventsmusik mit Heinrich Heim als Sprecher. Für Besinnliches im Advent sorgte damals das Bläser-Ensemble der Heidecker Stadt- und Jugendkapelle, das Männer Vokalensemble Cantus Sacralis, die Rudletzholzer Stubenmusik und Sebastian Förschl mit dem Marimbaphon.
Anni Münch wusste, dass der Gesangsverein „Liederkranz“ Heideck 1859 vom praktischen Arzt Dr. Störmer im Gastraum der ehemaligen Brauerei Barth als der älteste Verein der Stadt Heideck gegründet wurde. Dessen Vorsitzende waren im letzten Jahrhundert u.a. Georg Stücklen (1926-1953), Georg Hueber (1953-1957), Rudolf Haller (1957-1978) sowie von 1978 bis 1987 Richard Böhm. Danach haben Franz Österreicher und Bärbel Schenk den Liederkranz geführt. Einige Besucher des Erzählcafes wussten noch die Namen ehemaliger Chorleiter. So leitete von 1948 bis 1957 der Lehrer Josef Carl Grund den Chor mit viel Geschick und musikalischem Sachverstand. Neben Chorkonzerten führte der Verein damals auch Theaterstücke, Singspiele und musikalische Sketche auf. Unter Chorleiter Grund wurde 1951 aus dem Männerchor der gemischte Chor gegründet. Ihm folgte als Chorleiter Franz Österreicher, der den Chor von 1957 bis 1963 führte, ehe Lorenz Winter die Chorleitung von 1963 bis 1993 übernahm. Er wurde wegen seiner kollegialen Art auch „Papile“ genannt. Lorenz Winter führte 1965 das „Heidecker Adventssingen“ ein, das erst drei Jahre lang auf dem Marktplatz und danach in der Stadtpfarrkirche stattfand.

Unter Lorenz Winter traten bei einem Kappenabend des Gesangsvereins 1967 erstmals die legendären „Lindwurmspatzen“ auf. 1974 wurden sie durch Klaus Mommers und Chorleiter Winter erneut ins Leben gerufen. Acht Herren und Lorenz Winter am Klavier traten beim Gesangsvereinsball mit einem humorvollen Programm erstmals vor das Publikum. Es wurden lustige Verse über allerlei Vorkommnisse im Verein und in der Stadt gesungen. Die Lindwurmspatzen gehörten so viele Jahre zum Heidecker Fasching „wie das Amen zum Gebet“. Die Karten des Gesangsvereinsballs waren seinerzeit heiß begehrt, wusste Richard Böhm. Man erinnerte sich, dass der „Apo“ Walter Müller den Damen des Chores nach dem Singen gerne einen Sekt oder Pralinen spendierte. Rudolf Haller habe nach den Proben immer wieder mal „Zigarren“ gestiftet. Bewirtet wurden die Sänger im Lindwurm von Fanny Wurm. Oft habe man nach der Probe weiter gesungen und es ertönten dann mit voller Inbrunst das Wolgalied (Es steht ein Soldat am Wolgastrand), Kalinka, kalinka, kalinka moya oder Kasatschok. Fanny Wurm habe Punkt ½ 2 Uhr die Fenster des Wirtshauses aufgemacht und die Stühle auf die Tische gestellt. So wusste man: „Jetzt ist Feierabend“. Ein Höhepunkt des Gesangsvereins „Liederkranz“ sei die 125-Jahrfeier gewesen, die am 2./3. Juni 1984 stattfand. Am Festprogramm in der Stadthalle wirkten seinerzeit auch der Howard Wallace Choral aus Brentwood und der Patenverein Gesangverein Hilpoltstein mit. Die musikalischen Darbietungen der drei Chöre ließen das Jubiläum zu einem gesanglichen und musikalischen Erlebnis werden. Es wurde bedauert, dass sich der Gesangsverein Liederkranz 2005 nach 146jähriger Blüte aufgelöst hat, weil sich kein Vorstand mehr finden ließ.
Die Lindwurmspatzen haben, so Richard Böhm, einmal einen Sketch über den „Feuerwehrchor“ zum Besten gegeben, Dabei habe man glossiert, dass deren Mitglieder ihre Stücke grundsätzlich „ohne“ Noten eingeübt haben und der Schwarz Luck den Ton auf der Flöte anspielte. Vorsitzender Erwin Blädel sei ein guter Dirigent, Sänger und ein großartiger Mäzen dieses Chores gewesen. Er habe dem Chor einst versprochen mit ihm nach Amerika zu fliegen und auf den Stufen des Capitols in Washington zu singen, was tatsächlich auch so geschah. Auch dieser Chor existiert heute nicht mehr.

Richard Böhm informierte weiter, dass der Heidecker Schulchor im Jahr 1971 von Lorenz Winter gegründet wurde, den dieser bis 1994 leitete. Höhepunkte waren einst die von ihm verfassten Kantaten wie der „Eppelein von Gailingen“. Für qualitätsvolle Auftritte des Schulchors sorgte später Elke Stengel und heute Rektorin Martina Wirsing. Die Schola Heideck geht auf die Gründung von Franz Netter (1979) mit musikalischer Unterstützung durch Edi Gruber zurück. Es ging damals um die musische Gestaltung der Kinder- und Jugendgottesdienste. Heute wird u.a. gesungen in Gottesdiensten, Tauffeiern oder Hochzeiten. Seit einigen Jahren veranstalten Schulchor und Schola Heideck ein gemeinsames Adventskonzert, für das Elke Stengel und Ann-Kathrin Schwarz als die Leiterinnen der Schola verantwortlich zeichnen.

Der Name Lorenz Winter fiel im Erzählcafe immer wieder. So war er Sänger im Gesangverein Hilpoltstein, dessen Leiter er fünf Jahre lang war. Ebenso war er als Chorleiter an der Sing- und Musikschule und der Sängergruppe Hilpoltstein viele Jahre tätig. 1985 begründete er mit Claus Raumberger und Helmut Lifka das „Volksliedersingen“ und kreierte den „Schulmusiktag“. Er prägte auch viele Jahre lang mit anspruchsvoller Unterhaltungsmusik die Hilpoltsteiner Konzertreihe „Senioren musizieren für Senioren“. Er schrieb u.a. die Friedensmesse, die Missa Laudate Domina und die Johannes-Messe, die in Hilpoltstein und Partschins/Südtirol mehrfach aufgeführt wurde. Lorenz Winter wurde nicht zuletzt wegen seiner außerordentlichen Leistungen in der Musik 2010 die Bundesverdienstmedaille sowie die Stadtmedaille in Gold verliehen.

Schließlich wurde die Stadtkapelle Heideck erwähnt, deren Leiter einst das außerordentliche Musiktalent Ludwig Gruber war. Er stand in den Diensten der Stadt Heideck und nannte sich deshalb auch städtischer Musikmeister. Er hat eine Vielzahl von Instrumenten spielen können, hat vielen Kindern Musikunterricht erteilt und hat für die Blasmusik sehr viel komponiert – Polkas, Rheinländer, Landler, Walzer. Man erinnerte sich auch die Namen früherer Kapellmeister wie Gustl Brunner oder Erich Brüchle. Die Stadtkapelle hatte sich vor etwa sieben Jahren aufgelöst und wurde 2015 als Stadtkapelle Heideck e.V. unter der Führung von Veronika Beringer gegründet.

Abschließend gab es zur musikalischen Stadt Heideck ein „Feuerwerk“ an Namen von Frauen und Männern und Musikgruppen, die Heideck weit über seine Grenzen hinaus bekannt gemacht haben (Musiklehrer Josef Mack, Ludwig Gruber, Ursula de Angelis, Musikstudio Fröhlich, Fritz Klehr). Bekannte Musik- und Tanzbands waren „Die Clippers“ mit Hermann Krämer, die „Evergreens“ mit Richard Mack, Gustl Dotzer und Martin Schneider oder die „Sunny Boys“. In Erinnerung waren auch Musikgruppen wie die Rudletzholzer Stubenmusik von Manfred Berg, die „Heidecker Spitzboum“ mit Richard Mack, Richard Wohllaib, Georg Stengl, Richard Pfaller und Rudolf Haller oder Alfons Mack, der in mehreren Bands wie „music transfer“, „music express“ oder „New Orleans Rhythm Brass Band“ glänzte. Auch über Sebastian Förschl (Münchner Philharmoniker) und Werner Treiber (Schlagzeuger und Perkussionist) wurde anerkennend gesprochen. Gefragte Alleinunterhalter waren Gustl Dotzer oder Andreas Abel. Als geschätzte Wirtshaussänger wurden der „Feyerla- Scheck“, Andreas Meier, Willi Schmauser und Horry Feyerlein genannt.