Circus Sambesi begeisterte das Publikum in Heideck

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Zirkus geht auch ohne Tiere. Das beweist der „Circus Sambesi“ in einem fast zweistündigen abwechslungsreichen Programm. Zum ersten Mal wieder seit 31 Jahren hatte die Truppe um den Neumarkter Zirkusdirektor Karl Nidermayer für zwei Auftritte ihr Zelt in Heideck aufgebaut. Die größte Besonderheit aber ist, dass alle Mitwirkenden, ob Artisten oder Helfer, unentgeltlich mitwirken, sodass alle Spenden – der Eintritt ist frei – an die Stiftung „Menschen für Menschen“ von Karl-Heinz Böhm weitergeleitet werden. Das Geld kommt den Ärmsten der Armen in Äthiopien zugute. Die sicher nicht unerheblichen Unkosten der Auftritte steuert der gelernte Hörgeräteakustiker Nidermayer bei.
„Herrreinspaziert!“ Am Eingang zum Zirkuszelt begrüßt der Requisiteur Jürgen Biehler die zahlreichen Gäste. Er übt, wie viele andere auch, weitere Funktionen aus. Fanfarenklänge über Lautsprecher kündigen den Beginn an. Sprecherin Antonia, eine Musicaldarstellerin aus Nürnberg, führt durchs Programm. 800 000 Euro, so berichtet sie, hat der Zirkus in seinem über 30-jährigen Bestehen an Spenden eingenommen. In Äthiopien ist damit Hilfe zur Selbsthilfe angesagt. Vor allem für Schulen und Brunnenbau wird das Geld verwendet. Für lediglich 15 Euro könne ein Kind in Äthiopien ein Jahr lang die Schule besuchen. Für zehn Euro könne es sauberes Wasser bekommen.

In den Reihen der Zuschauer erhebt sich Florian Lehmüller und geht zielsicher und mit unbewegtem Gesicht auf die Zirkusarena zu. Was hat er vor? Doch da beginnt er eine akrobatische Bodengymnastik, gefolgt von einer gekonnten Chinese Pole Performance an einer fünf Meter langen, senkrechten Stange. Eine frischgekürte Weltmeisterin setzt das Programm fort. Carmen Lück beweist, dass sie den Weltmeistertitel im Cyr Wheel zurecht errungen hat. Das Cyr Wheel ist dem Rhönrad verwandt, besteht allerdings nur aus einem einzigen Reifen. Quirlig und fast schwerelos erobern die Lollipops von der Artistenkiste Neumarkt die Manege. Sie sind die Jüngsten, aber was sie an Artistik drauf haben, kann sich durchaus mit den Künsten der Älteren messen. „Wann kommen die Clowns?“, fragt zwischendurch immer wieder eine Kinderstimme. „Gleich!“, tröstet Papa. Erst will Zauberer Blacky, alias Wolfgang Schwarz, seine Kunststücke zeigen. „Wer hilft mir beim Zaubern?“, fragt er in die Runde. Spontan meldet sich der fünfjährige Äthiopier Mohammed. Er ist mit Mutter und Geschwistern aus Hilpoltstein gekommen, wo sie als Asylbewerber vom Helferkreis betreut werden. „Hokus, pokus, fidibus, dreimal schwarzer Kater“, heißt der Zauberspruch, den Mohammed anwendet. Nicht immer gelingt der Zauber, sehr zur Erheiterung des Publikums. Mit Saltos am laufenden Band, Seilspringen in der Bauchlage und Keulenartistik ernten die Butterflys aus Neumarkt immer wieder Applaus. Endlich kommt der Clown an die Reihe. „Oh, mein Papa,“ spielt er auf dem Saxofon. Es ist ein Ständchen für die Oma, die dafür aber kein Verständnis zeigt, und den Clown mit dem Besen traktiert.

Nebelschwaden und unheimliche Musik kündigen nach der Pause die Tortuga Pirates vom Turn- und Artistikverein Neumarkt an. Die schaurig-schöne Gruppe der Gerippe wird von Nina Bombik zu neuem Leben erweckt. Nina Bombik tritt schon seit 25 Jahren für den Circus Sambesi auf und hat zusammen mit ihrer Schwester Patricia die Gruppe gegründet. „Wir machen das mit viel Freude“, sagt sie. Und das merkt man ihnen auch an. Frenetischer Applaus brandet immer wieder für die dargebotenen akrobatischen Leistungen auf. Dann wird Heidecks erster Bürgermeister Ralf Beyer in die Manege geholt. Er freue sich, so betont er, dass er den Zirkus in Heideck willkommen heißen und seine gute Sache unterstützen könne. Er hoffe, dass es bis zum nächsten Auftritt in seiner Stadt nicht wieder so lange dauern werde.

Mit finsterem, bärtigen Gesicht kommt nun „Taifun al Shaba“ herein und begutachtet das Nagelbrett. Kenner haben gleich herausgefunden, dass dieser Fakir der Zirkusdirektor Karl Nidermayer selber ist. Vorsichtig legt er sich auf die zweitausend spitzigen Nägel. Auch als ein Zuschauer sich auf seinen Bauch stellt, verzieht er keine Miene. Sogar ein Betonklotz wird mit einem Vorschlaghammer darauf zertrümmert. Scheinbar unbeeindruckt verschwindet der Direktor unter Applaus hinter dem Vorhang. Carmen und Florian bilden das Duo Kaleidos, das sich der Hand-in-Hand-Akrobatik verschrieben hat, die von passender Bluesmusik begleitet wird. Zauberer Stefano, alias Stefan Maßhammer, ist ein Meister der Magie. Feuerspuckend beginnt er seine Schau und schluckt dann etliche Rasierklingen, um sie an einem Faden wieder aus dem Mund herauszuholen. Metallringe kann er mühelos zu allerlei Formationen zusammenfügen, sogar die olympischen Ringe sind dabei.

Zum großen Finale sind alle noch einmal im Zirkusrund versammelt. Karl Nidermayer bedankt sich bei den Artisten und den Helfern, und nicht zuletzt bei den Besuchern schon im Voraus für ihre großzügigen Spenden. Nach der zweiten Vorstellung geht es ans Geldzählen, mit einem hoffentlich erfreulichen Ergebnis.