Wasserfest Laibstadt

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Es war im wahrsten Sinne des Wortes ein harter und steiniger Weg (angesichts der vielen damit verbundenen Grabungstätigkeiten) bis das Werk vollendet war. Doch nach vielen Rückschlägen und überwundenen Schwierigkeiten konnte im Mai 1968 die Wasserversorgungsanlage des Wasserzweckverbands Laibstadt-Schloßberg mit großer Freude eingeweiht werden. Grund genug also, dass man 50 Jahre später mit einem kleinen Wasserfest an diese segensreiche Errungenschaft zurückblicken wollte. Dass am Ende annähernd 300 Besucher zum Bild Beitrag Wasserfest 2Tag der offenen Tür zum Laibstädter Wasserhaus kommen würden, das hätte von den Verantwortlichen vorher niemand gedacht.

Kurz zur Geschichte: Bereits noch vor dem Zweiten Weltkrieg gab es in Laibstadt Pläne, eine gemeinsame Wasserversorgung zu schaffen, wie dem Gemeindebuch zu entnehmen ist: „Heuer im Jahr 1921 versiegten die meisten Brunnen wegen großer Trockenheit. Wasser musste von der Quelle in der Buckwiese geholt werden. Deshalb entstand der Plan einer Wasserleitung von dieser Quelle in den Ort zu verlegen. Dafür wurde reichlich Holz geschlagen. Das Vorhaben musste aber wegen der schrecklichen Teuerung aufgegeben werden.“ Die Inflation hatte Geld und Vorhaben zunichte gemacht. 1949 wurde das Ganze erneut in Angriff genommen und wieder wurde viel Gemeindeholz gerodet. Entnommen wurde das Wasser dann tatsächlich von der Quellfassung in der Buckwiese, die noch heute besteht und eine Reihe Weiher unterhalb mit Wasser speist. Von der Quellfassung lief das Wasser durch das vorhandene Gefälle von selbst in das Pumpenhäuschen im Ort, von wo es aus in einen Hochbehälter Richtung Bergen gepumpt wurde. 1951 wurde die Wasserversorgung als „ewiges Werk“ der Bestimmung übergeben, doch schon zehn Jahre später zeigte sich, dass das ganze Projekt doch seine zeitliche Begrenzung hatte. Bereits 1960 häuften sich die Rohrbrüche und zudem reichte die Ergiebigkeit der Buckwiesenquelle nicht mehr aus, um die Versorgung des Ortes vollständig sicherzustellen. Häufig musste sogar Wasser für das Vieh angefahren werden. Unter diesen Gegebenheiten schlossen sich nach zähen Verhandlungen die Gemeinden Laibstadt und Schlossberg zur Wasserversorgungsgruppe Laibstadt-Schlossberg zusammen, dem sich rasch weitere Orte anschlossen. Bereits im Herbst 1961 hatte die Gemeinde Laibstadt noch im Alleingang einen Tiefbrunnen bohren lassen, der nach vielen Rückschlägen die stolze Tiefe von 146 Metern erreichte. Doch rasch nach Bekanntwerden traten weitere Gemeinden dem Zweckverband bei, so dass zur ersten Verbandsversammlung am 16. Mai 1962 neben Vertretern aus Laibstadt und Schlossberg auch die Bürgermeister aus Selingstadt und Aberzhausen am Tisch saßen. Der Motor des Ganzen, Laibstadts Bürgermeister Franz Wohlmuth, wurde zum Verbandsvorsitzenden gewählt. Bereits im November 1962 erfolgte die Aufnahme der Gemeinde Laffenau mit den Ortschaften Seiboldsmühle, Höfen und Fichtenmühle. 1964 schloss sich schließlich auch die Gemeinde Rudletzholz der Unternehmung an. Noch bevor es nach vielen Wochen und Monaten endlich mit den Bauarbeiten beginnen konnte, zeigte 1965 die Gemeinde Mannholz Interesse daran sich als „Wassergast“ anzuschließen. Noch schnell wurden die Pläne geändert und ergänzt, zum Beispiel musste der Hochbehälter II statt 200 cbm nun 300 cbm groß werden. Das Jahr 1966 war dann die Hauptbauphase, in der mit der Bohrung eines zweiten Tiefbrunnens, dem Bau von zwei Hochbehältern auf dem Schlossberg, dem Maschinenhaus in Laibstadt, dem Wärterhaus daneben für den Wasserwart und vor allem für die vielen Leitungen und Rohre die zum Anschluss der rund 330 Anwesen notwendig waren.

Der Abschluss dieser Arbeiten wurde mit kleinen Wasserfesten in den einzelnen Ortschaften gefeiert. Das Hauptwasserfest mit kirchlicher Segnung der Anlage durch Pfarrer Max Prem fand schließlich am 19. Mai 1968 in Laibstadt statt. Dem folgte noch die Abnahme und Abschlussfeier aller beteiligten Stellen als „Wasserfest der Prominenz“ am 30. Mai 1968. Erster Verbandsvorsitzender war Franz Wohlmuth von 1962 bis 1986, also 24 Jahre lang. Langjähriger Wasserwart war Eduard Herler von 1965 bis 1997, also 32 Jahre lang.
Dass es gar nicht so einfach geht bis sich das Wasser aus den Tiefbrunnen in den Leitungen befindet, erfuhren die zahlreichen Besucher beim Wasserfest in Laibstadt von Wasserwart Manfred Koller, der geduldig den ganzen Nachmittag über durch das Wasserhaus führte. „Von den drei Tiefbrunnen zwischen Laibstadt und Schlossberg mit Tiefen zwischen 150 und 200 Metern wird abwechselnd Wasser ins Maschinenhaus gepumpt“, so Koller. „Weil das Wasser kalkaggressiv, eisenhaltig und sauerstoffarm ist, muss es hier im Gebäude erst einmal entsprechend behandelt werden.“ Durch eine drei Meter hohe Filterschicht würden Eisen- und Säuregehalt reduziert. „In der Verdüsungskammer nimmt das Wasser Sauerstoff auf, so dass es frisch und wertvoll aus den Leitungen kommt und gut schmeckt.“

Der größte Teil der Einrichtung im Wasserhaus stamme aus der Anfangszeit vor 50 Jahren und würde immer noch tadellos arbeiten. Die Besucher erstaunte es in welch sauberem und akkuratem Zustand sich das Wasserhaus selbst und die technische Einrichtung darin zeigten. „Vom Maschinenhaus aus wird das Wasser in Hochbehälter I knapp unterhalb des Ortes Schlossberg hochgepumpt. Da sind rund 70 Höhenmeter zu überwinden!“ Hochbehälter I habe eine Kapazität von 600.000 Liter Fassungsvermögen. Von hier aus würden die so genannte Niederzone mit den Orten Aberzhausen, Kippenwang, Kolbenhof, Laffenau, Fichtenmühle, Seiboldsmühle, Höfen, Laibstadt, Rudletzholz und Selingstadt versorgt. „Es wird von dort aus aber auch noch einiges Wasser in den Hochbehälter II mit einem Fassungsvermögen von 300.000 Liter rund 90 Meter hochgepumpt, um die Hochzone mit den Ortschaften Haag, Schlossberg, Rambach, Manholz und Roxfeld mit Wasser zu versorgen.“ Beeindruckt waren die Gäste auch von den Ausmaßen des 85 PS starken Notstromaggregats, das Koller, wie er erklärte, regelmäßig anwerfe um die Funktionstüchtigkeit zu überprüfen. „Gebraucht wurde es aber noch nie. Aber wenn es zu einem Stromausfall, zum Beispiel durch das Reihenweise Umkippen von Stromleitungen bei Sturm oder Eisbehang, komme, ist man damit auf der sicheren Seite.“ Ein wichtiger Bestandteil, dass die Qualität unseres wichtigsten Lebensmittels gewährleistet sei, seien die regelmäßigen Kontrollen, bei denen alle wichtigen Parameter wie zum Beispiel der Schwermetallgehalt untersucht würden. „Dabei wurde auch schon fest gestellt, dass unser Wasser rund 2000 Jahre alt ist“, so Laibstadts Wasserwart.

Neben den Führungen im Wasserhaus gab es noch eine umfangreiche Ausstellung in der Garage des Wärterhauses zu sehen. So mancher entdeckte bekannte Gesichter auf den Fotos die während der Arbeiten seinerzeit oder der abschließenden Einweihungsfeier vor 50 Jahren entstanden waren. Auf einer mit Farbfotos gestalteten Übersichtstafel war zu sehen, wie viel Stationen das Trinkwasser von den Tiefbrunnen bis an die Wasserhähne zurückzulegen hat. Christian Schneider, Wasserwart in Heideck, zeigte bei einer kleinen Wanderung zudem einigen Interessierten am Beispiel des Tiefbrunnens III wie es in einem solchen Schacht aussieht. Neben Kaffee und Kuchen gab es auch das Angebot frisches Laibstädter Tiefbrunnenwasser zu kosten – ohne Umweg über die Hochbehälter und den vielen Leitungen direkt frisch gezapft im Wasserhaus – ein Genuss, wie viele Testtrinker feststellten! Das Helferteam um die Stadträtinnen Helga Peter und Stilla Baumann sowie der KLJB Laibstadt konnte am Ende des Tages einen Erlös von über 600 Euro verzeichnen, der ohne Abzüge direkt an das Kloster Gnadenthal in Ingolstadt und von dort aus nach Angola an eine Schule und einen Kinderhort weitergeleitet wird. Das Geld soll helfen eine Trinkwasseraufbereitungsanlage in Stand zu halten, so dass den Kindern jeden Tag frisches Trinkwasser zur Verfügung steht – keine Selbstverständlichkeit (wie bei uns!) in einem der ärmsten Länder der Welt!