Eröffnung der erweiterten Vorgeschichtsausstellung Heideck

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Foto: SchultheißDer Arbeitskreis Heimatkundliche Sammlung konnte zur neuen Museumssaison den vorgeschichtlichen Teil der Stadtgeschichte-Ausstellung erheblich erweitern. Dass dies möglich war, dafür dankte die Vorsitzende Monika Kauderer sehr herzlich dem Bürgermeister und AK-Gründungsmitglied Ottmar Brunner und der Abteilung für Vorgeschichte der Naturhistorischen Gesellschaft (NHG) Nürnberg, die durch Dr. Bernd Mühldorfer vertreten war. Ottmar Brunner hatte dem Museum einen Teil seiner Lesefunde als Leihgaben angeboten, was der Verein sehr gerne annahm. Einige Exponate der NHG, die bisher im Vor- und frühgeschichtlichen Museum in Thalmässing ausgestellt waren, wurden aufgrund der Neukonzeption dort nicht mehr benötigt. Auf Anfrage von Kreisheimatpflegerin Eva Schultheiß war die NHG gerne bereit, diese als Leihgaben nach Heideck zu geben. Der Alfershausener Bader Paul Ellinger hatte sie nämlich 1893 bei Schlossberg entdeckt, als er einen Grabhügel aus der Hallstattzeit ausgrub.

Neu zu sehen sind im Museum nun Geräte aus der Steinzeit, das älteste ist ein mittelsteinzeitlicher Stichel. Aus der Jungsteinzeit, in der die Menschen nicht mehr wie Nomaden als Jäger und Sammler umherzogen, sondern sesshaft waren, zeugen verschiedenartige Steinbeile, Pfeilspitzen, Klingen und Keramikfragmente, die Ottmar Brunner auf der Flur Heidecks mit den zugehörigen Dörfern auflas. Aus der Hallstattzeit sind die NHG-Leihgaben, ein Keramikgefäß mit geometrischem Dekor und ein Toilettebesteck mit Pinzette, Nadel und Ohrlöffelchen. Im Museum fachsimpelten Bürgermeister Brunner, Dr. Mühldorfer und die zahlreich gekommenen Mitglieder des Arbeitskreises Vorgeschichte am Thalmässinger Museum über die Steingeräte und die anderen Exponate.

Grafik: SchultheißVorstellung von „Aufgedeckt – Stadtgeschichte(n) aus dem Boden“ Monika Kauderer stellte anschließend das neue Heft 9 der Heimatkundliche Schrftenreihe des Arbeiskreises vor, „Stadtgeschichte(n) aus dem Boden“, in dem u. a. eine ganze Reihe dieser Exponate abgebildet sind. Die Broschüre hat zeigt auf 96 Seiten und reich farbig bebildert auf, welche Erkenntnisse für die Stadtgeschichte aufgrund der archäologischen Grabungen gewonnen werden konnten. Sie dankte Dr. Ralf Obst vom Modellprojekt „Archäologie und Ehrenamt“, der die Veröffentlichung angeregt hatte, indem er einen Zuschuss für die ehrenamtliche Gestaltung und den Satz der Broschüre vermittelte. Hiermit konnten die Kosten für den Autor Dr. Thomas Liebert bestritten werden, die der Bayerische Landesverein für Heimatpflege, das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege und die Gesellschaft für Archäologie in Bayern für das Modellprojekt gemeinsam zur Verfügung stellen. Die Vorsitzende dankte auch dem Heimat- und Verkehrsverein Heideck für den Druckkosten-Zuschuss.

Dass die Herausgabe der Schrift sich stark verzögerte, habe mehrere Gründe. Einer seien die neuen Erkenntnisse zur Laibstädter Keltenschanze, die einbezogen werden sollten und ein weiterer, die Exponate der NHG, die man aufnehmen wollte. Sie bedankte sich bei den bei der Ausstellungserweiterung und bei der Broschüre beteiligten Vereinsmitgliedern: Bei „Elisabeth Spörl mit dem Farbroller, bei Dr. Reinhard mit Akkuschrauber und Rotstift für die Korrekturen, beim Innenarchitekten Roland Stengel für die gestalterische Beratung und praktische Hilfe und bei Eva Schultheiß für den Satz der Broschüre".

Autor Dr. Thomas Liebert wies darauf hin, dass Geschichte ein fortwährender Prozess sei, daher beinhalte eine Broschüre nie einen Endpunkt, sondern nur den derzeitigen Stand des Wissens. Enthalten seien die Ergebnisse der Grabungen am Marktplatz im Jahr 1999, in der Frauenkapelle von 2003 bis 2005, im Bäumlerhaus 2007 sowie im gleichen Jahr am Schlossberg und die Forschungen bei Altenheideck.

Durch Zufall habe er heuer im Februar erfahren, dass 1853 im Heilsbronner Münster u. a. das Grab Konrads von Heideck ausgegraben wurde. Die Informationen darüber sowie gute Zeichnungen der Deckplatte und der Funde (ein breites Band mit Goldfäden, Sporen, Spornleder) aus dem Hochgrab konnten in die druckfertige Schrift nicht mehr eingearbeitet werden, sondern wurden in einem Nachtrag angehängt. Er regte an, nachzuforschen, ob die Funde womöglich noch in München vorhanden sind, da die Grabung mit Unterstützung des Königs von Bayern Maximilian II. stattfand.

Erhältlich ist die 96-seitige Farbdruck-Broschüre mit 120 Abbildungen zum Preis von 4,50 Euro in der Heimatkundlichen Sammlung im Rathaus zu den Öffnungszeiten sonntags 14 bis 16 Uhr, bei Monika Kauderer, Telefon (09177) 9181, bei Eva Schultheiß, Telefon (09177) 271, im Haus des Gastes in Hilpoltstein und im archäologischen Museum „Fundreich“ in Thalmässing.

Von Eva Schultheiß