Neues Freibad

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Bild Beitrag FreibadAm 13. Juni 1933 schrieb der damalige Heidecker Bürgermeister an das Kulturbauamt in Weißenburg: „Die Stadtgemeinde Heideck hat beschlossen, den am Finsterl gelegenen Gemeindeweiher als Badeweiher auszubauen. Der Weiher soll 40 mal 40 Meter im Quadrat und ungefähr 2,50 Meter tief werden. Nachdem wir immer noch eine Menge Krisen- und Wohlfahrtserwerbslose haben, soll die Arbeit als Notstandsarbeit durchgeführt werden.“ Das von Bäumen umsäumte Finsterl oder Finsterloh befand sich auf dem Gelände des heutigen Freibads. Es wurde von einer Quelle gespeist und soll das erste künstlich angelegte Freibad im Landkreis Hilpoltstein gewesen sein. Auch die Liebenstädter Bevölkerung wurde eingeladen, das Heidecker Bad zu benützen. 25 Reichspfennig pro Kind wurden für die „Dauerbenützung“ verlangt. Erwachsene zahlten eine Reichsmark. In der Badeordnung von 1935 heißt es: „Frauen bedürfen zum Baden eines vollständigen Badeanzuges, Männer einer Badehose. Nacktbaden und die Verwendung von sogenannten Dreiecksbadehosen sind strengstens verboten.“ In einem Bericht des Staatlichen Gesundheitsamts Hilpoltstein vom Juli 1951 ist zu lesen: „Die Beckenmauern sind gemauert, der Boden besteht aus Kies. Das Bad ist nicht frei von Fröschen, Salamandern und anderem Wassergetier.“ In späteren Gutachten wurden ein „unappetitliches“ Badewasser, äußerst primitive Abortanlagen außerhalb des Bades und ein fehlender Telefonanschluss bemängelt. Im Mai 1959 kostete eine Dauerkarte für Kinder 2,50 DM, Erwachsene mussten 4,50 DM bezahlen. Rund 2500 Karten wurden in diesem Jahr insgesamt verkauft. 1963 wurde die Hecke um das Bad von einem Jungen in Brand gesteckt. Im gleichen Jahr wurde Max Scherner zum Bademeister bestellt. In schöner Regelmäßigkeit stellte das Gesundheitsamt bei der Überprüfung der „Badeanstalt“ bauliche und hygienische Mängel fest, die offensichtlich nie zur Zufriedenheit der Behörde beseitigt wurden. Schließlich beschloss der Stadtrat Heideck, ein neues und für damalige Verhältnisse modernes und zeitgemäßes Bad zu errichten, da eine Sanierung des „Finsterl“ für rund 500.000 Mark keine befriedigende Lösung der Probleme erbracht hätte.
Am 29. Mai 1977 wurde das neue, beheizbare Freibad von Stadtpfarrer Pauli und Pfarrer Götschel zusammen mit Bürgermeister Benno Eckert und dem Geistlichen Rat Brenner eingeweiht. Architekt Fred Brunner hatte die Planung erstellt. „Zahlreiche Gäste bei der Einweihung des modernsten Freibades Bayerns“, war als Überschrift in der Zeitung zu lesen. Die Gesamtkosten waren mit 2 452 098 DM berechnet worden. Aufgrund großzügiger Zuschüsse musste die Stadt Heideck lediglich 443 598 DM an Eigenmitteln erbringen. Das waren noch Zeiten!
Nach rund 40 Jahren war auch dieses Bad marode geworden. Die Technik war veraltet, die Becken undicht und die Holzkonstruktion begann zu faulen. Also entschied man sich für eine Generalsanierung des Heidecker Freibads. Die Stadt will nunmehr ihren Bürgern und Gästen ein zeitgemäßes, freundlich-helles Bad in aktueller Technik in idyllischer Lage bieten. Wie Bürgermeister Ralf Beyer berichtet, wurden alle Anträge auf Zuschüsse negativ beschieden, sodass die Stadt die Sanierungskosten in Höhe von rund 2,6 Millionen Euro voll tragen muss. Von den bisherigen Bauwerken blieben fast nur die Mauern der Technikgebäude erhalten. Alles andere wurde neu und vor allem heller gebaut. Großzügige Umkleidekabinen wurden erstellt, außerdem vier Familien-Umkleideräume. Drei Größen von Schließfächern gibt es künftig: Die kleinen sind für Wertgegenstände gedacht, die größeren für Fahrrad- und Motorradhelme und die großen für Kleider. Natürlich fehlen WCs und Duschen nicht. Die benachbarten Laubbäume spenden der Terrasse vor dem neuen Kiosk Schatten. Gegebenenfalls werden Sonnenschirme aufgestellt. Dem Personal steht ein Sozialraum mit Teeküche und Nasszelle zur Verfügung. Im Erste-Hilfe-Raum stehen ein Defibrillator, eine Liege und ein Erste-Hilfe-Koffer bereit. Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken sind nun getrennt, damit sie unterschiedlich temperiert werden können. Beide Becken sind über eine breite Treppe erreichbar. An sechs Massagedüsen kann man seine Muskeln durchkneten lassen. Allerdings gibt es auf dem Weg zu den Becken keine Fußbecken mehr. Hier wird an die Besucher appelliert, selber auf Hygiene zu achten. Der besondere Stolz von Bademeister Günter Herzog ist die Wellen-Breitbandrutsche. Aus vier Metern Höhe können die Kinder 16 Meter lang wellenartig ins Nichtschwimmerbecken hinab rutschen Der Sprungturm mit Ein- Drei- und Fünfmetersprungbrettern ist eine Neukonstruktion. Er orientiert sich an dem bisherigen Turm und ist – was selten vorkommt – ganz aus Holz errichtet. Ganz neu ist auch das Innenleben der Technikgebäude, in denen das Badewasser aufbereitet und erwärmt wird. Fachplaner Günter Kerling weiß interessante Zahlen. So werden im Nichtschwimmerbecken stündlich 390 Kubikmeter Wasser umgewälzt. Im Schwimmerbecken sind es 188 Kubikmeter und im Springerbecken 70 Kubikmeter. Die Filter haben einen Durchmesser von 3, bzw. 2,40 Metern. Unzählige Relais, Pumpen und Messgeräte steuern und überwachen die Anlage. Der alte Ölheizkessel blieb, wie Fachplanerin Carina Thomann erzählt, zunächst erhalten. Allerdings wird die Heizung durch eine Solaranlage unterstützt. Die gesamte Bauleitung lag in Händen von Herbert Gimpl vom Vilshofener Architekturbüro Krautloher. Vonseiten der Stadt Heideck waren der technische Leiter Thomas Kohlbrand und Bademeister Günter Herzog beteiligt.