Wie kann ich mir gut Sachen merken?

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Bild Beitrag Schule LernstrategienDieser Frage gingen die Erstklässler am mit Herrn Hofmann, einen Experten für Lernstrategien, ganz genau auf den Grund. Mit einem kleinen Experiment machte er uns neugierig auf das Lernen. Wir Kinder durften unsere Wünsche zu Weihnachten aufzählen. Frau Zellner schrieb zehn lange Weihnachtswünsche an die Tafel. Nun verriet uns Herr Hofmann einen Trick, wie man sich diese Begriffe gut und dauerhaft einprägen kann, ohne sich einen Merkzettel schreiben zu müssen, wie das Erwachsene oft tun.

Dafür benötigen wir zehn Stellen an unserem Körper und verbinden jeden Begriff mit einer dieser Körperstellen. Wir beginnen beim Einprägen oben bei unserem Kopf und enden unten bei unseren Füßen. Herr Hofmann zeigte uns genau, wie das geht. Wie ein Geschichtenerzähler bewegte er sich bei uns im Klassenzimmer und brachte jeden der zehn Weihnachtswünsche mit einem Körperteil in Verbindung. So saß z.B. die Werkbank bei uns auf dem Kopf, den Zauberkasten hatten wir uns um jedem Knie gebunden oder saß das Tor auf der Schulter.

Wir Erstklässler lauschten gespannt der lustigen Geschichte, während Herr Hofmann nach und nach die zehn Begriffe an der Tafel wegwischte. Dann staunten wir nicht schlecht: Alle Erstklässler konnten am Ende des Experiments die zehn Weihnachtswünsche aus dem Gedächtnis aufsagen und ernteten großen Applaus von ihren Klassenkameraden und Lehrerinnen.

Wenn man sich an einer Stelle unsicher war, gab uns Herr Hofmann auch hier einen guten Tipp: „Wer kann den fehlenden Begriff beschreiben, ohne seinen Namen zu nennen?“ Durch diesen Ratschlag hatten wir auch keine Bedenken vor Fehlern mehr. Die Rätsel der anderen Kinder konnten immer richtig beantwortet werden.

Bevor Herr Hofmann in der nächsten Schulstunde in eine andere der vier Grundschulklassen ging, verriet er uns noch, wo wir diesen Trick in der Schule sehr gut gebrauchen können: Beim Lernen von Gedichten, dem Einprägen neuer Lernwörter oder wichtiger Fachbegriffe im Heimat- und Sachunterricht. Die Erstklässler werden diesen Trick beim Einprägen der sieben Wochentage ausprobieren.

Nachdem am Vormittag mit allen Schulkindern diese Lernstrategien und der richtigen Umgang mit Fehlern sowie ab der dritten Klasse das Helfen als Helden besprochen wurde, gab Herr Hofmann sein Wissen am Abend auch an die Eltern weiter. In der sehr gut besuchten Veranstaltung erfuhren die interessierten Eltern nicht nur, dass 1,4 Millionen Informationen pro Sekunde in unserem Gehirn ankommen. Vielmehr wurde – und dies ist wissenschaftlich belegt – herausgefunden, dass Lernstoff in jedem Alter interessant, spannend und außergewöhnlich sein muss, um abgespeichert zu werden. So wurde z.B. der Zucker in den Haaren und die Schokolade in den Füßen verankert. Mit einer verrückten Geschichte von einer Bärin und dem Fußballer Podolski mit einer Karnevalskappe ließ sich die Reihenfolge der sechs größten Städte Deutschlands problemlos und mit viel Schmunzeln merken. Merkstellen bei Lernwörtern wurden in eine Geschichte eingebettet und zogen so ins Gedächtnis. Humorvoll und anschaulich wurden wissenschaftliche Grundlagen erklärt. Herr Hoffmann stellte den Allwissenden, den Cortex und die Engstelle, den Hypocampus vor.

Für das Lernen sei außerdem Verstärkung notwendig, jedoch in Form von positiver Zuwendung. Das Lernen unterstützen heißt beim Helfen bzw. bei Fehlern zu fragen: Was fehlt hier? Was fehlt dir? Nur wenn konstruktiv in die Zukunft geblickt wird, eröffnen sich Lernwege. Um dies mit nach Hause zu nehmen, wurden Ereigniskarten und Heldenzettel verteilt.
Der vom Elternbeirat finanzierte Tag des Merkens an der Grundschule wurde zu einer humorvollen Begegnung mit Ralf Hofmann für Kinder und Eltern, der dem Lernen neuen Schwung gab und vor allem Spaß machte und eine sehr positive Seite aufdeckte.