600 Jahre Kapell - Konzert für Orgel und Posaune

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„Ein Konzert der Extraklasse“ kündigte Heidecks 2. Bürgermeister Dieter Knedlik bei der Begrüßung der Konzertbesucher in der Heidecker Frauenkirche an. Damit sollte er recht behalten. Pompös beginnt es, dem Titel entsprechend, mit „Pomp and Circumstance“ des englischen Komponisten Edward Elgar in einem etwas ungewöhnlichen, aber hörenswerten Arrangement für Orgel und Posaune. Das Konzert ist ein weiterer Beitrag zum Festjahr 600 Jahre Frauenkirche Heideck.

Der Organist und Regionalkantor Willibald Baumeister hat Kirchenmusik und Musikwissenschaft studiert. Er ist zuständig für die Ausbildung nebenberuflicher Kirchenmusiker. In Heideck ist er bestens bekannt als Organist bei den Adventskonzerten in der Stadtpfarrkirche. Dort sitzt er allerdings an der Truhenorgel im Chorraum. Heute spielt er auf der Empore der Kappel die Zeilhuber-Orgel aus dem Jahr 1989.

Der Posaunist Armin Langmann ist evangelischer Pfarrer an der Nikodemuskirche in Nürnberg-Röthenbach. Seit seinem achten Lebensjahr spielt er Posaune, ist Mitglied in Posaunenchören und tritt auch solistisch auf. Seine Frau Ilse Langmann liest die verbindenden und erläuternden Texte. Was Elgar mit „Pomp and Circumstance“ für König Edward VII. komponiert hatte, war allerdings eher eine Kriegsverherrlichung.

In Georg Philipp Telemanns „Sonate in f-Moll“ folgt dem langsamen Andante ein lebhafter zweiter Satz, in dem sich in die zarten Orgelklänge eine volltönende Posaune mischt. Der niederländische Organist und Komponist Jan Pieterszoon Sweelinck hatte maßgeblichen Einfluss auf die Norddeutsche Orgelschule. Sein Zeitgenosse Andreas Düben kam in Leipzig zur Welt und avancierte später zum Hoforganisten in Stockholm. Beide schrieben Variationen über den melodiös vorgetragenen Choral „Allein Gott in der Höh sei Ehr.“ Johann Ernst Galliard stammt aus Celle und war Zeitgenosse von Bach, Händel und Telemann, also Barockkomponist. Raumfüllend mit vollem Klang ertönt seine viersätzige „Sonata in D-Dur“. Wer sich jetzt nach Waldesruhe sehnt, nach „Forest Tranquility“, für den kommt die eingängige, melodiöse dänische Volksweise bestens gelegen. Weiter geht es in der Barockmusik mit Henry Purcell. Er galt schon zu Lebzeiten als der bedeutendste englische Komponist. In seiner „Suite in F-Dur“ folgt einem spielerisch-leichten Andantino ein lebhaftes Allegro. In einem Kirchenkonzert dürfen natürlich Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel nicht fehlen. Der Leipziger Thomaskantor Bach hat den innigen und zugleich tröstlichen Choral „Bist Du bei mir“ in Noten gesetzt, stimmig von Baumeister und Langmann interpretiert. Kriegerischer geht es in Händels Oratorium „Judas Makkabäus“ zu, nach dem „Messias“ sein erfolgreichstes Werk. Schallend ruft die Posaune die aufständischen Jakobiten zum Kampf. Vergebens. Sie werden vom königlichen englischen Heer geschlagen.

„Bleib bei uns, Herr“: Sowohl das evangelische Gesangbuch als auch das katholische Gotteslob kennen dieses Kirchenlied, das auch unter dem Titel „Abide with me“ bekannt ist. Gemeinsam wird dieses flehentliche Abendlied gesungen, natürlich von Orgel und Posaune begleitet. Der lange anhaltende Applaus reicht für sogar zwei Zugaben. Nachdem sich Bürgermeister Dieter Knedlik bei Monika Kauderer und Roswitha Köstler vom Arbeitskreis Tourismus für die Organisation dieser ökumenischen Feier bedankt hat, haben die beiden Virtuosen noch den russischen Komponisten Alexander Tichonowitsch Gretschaninow im Programm. Bizarre Posaunenglissandos durchsetzen die Kompositionen „Spaßvogel“ und „Räuber und Gendarm“. „Uns hat es heute viel Spaß gemacht!“, stellen Baumeister und Langhammer abschließend fest. Das Publikum ist begeistert.

Am Sonntag, den 14. Juli steht ein weiterer musikalischer Leckerbissen auf dem Programm der Feierlichkeiten. Um 20 Uhr lädt das renommierte Weißenburger Streichquartett zu einer Kammermusik-Soiree in die Kappel ein.